2009 Schüler besuchen Brechthaus
Fachoberschüler informieren sich über den bedeutendsten deutschen Dramatiker des 20. Jahrhunderts
Klasse 12 WF besucht im Rahmen eines Fachreferats das „Augsburger Brechthaus“
Am Mittwoch, den 1. April, besuchten unter der Leitung von Frau Balling 30 Fachoberschüler das Augsburger Brechthaus. Die etwa 45 minütige Führung durch das Geburtshaus Brechts lieferte imposante Eindrücke über Wirken, Leben und Werke eines der berühmtesten deutschen Dramatikers und Lyrikers des 20. Jahrhunderts. Führung und Vortrag verliefen im Rahmen des Fachreferats zum Thema: „Organisieren Sie für Ihre Klasse eine Führung im Augsburger Brechthaus und referieren Sie über einige selbst gewählte Exponate dieser Ausstellung“ und wurden von Verena Lang (Klasse 12 WF) geplant und durchgeführt.
Das im Lechviertel der Augsburger Altstadt gelegene Brechtmuseum untergliedert dabei das Wirken Brechts chronologisch in 5 bedeutende Lebensphasen, denen jeweils eine separate Räumlichkeit zugeordnet ist. Im ersten Raum erhalten die Besucher einen kurzen Einblick über die Eltern, Kindheit und Jugenderfahrungen des Künstlers. Brecht, der 1917 das Augsburger Realgymnasium mit einem Notabitur verließ und anschließend ein Medizin und Germanistikstudium begann, zeigte schon früh erste literarische Gehversuche. Mehrmals veröffentlichte er während seiner Schulzeit und dem Studium überwiegend kriegskritische Aufsätze. Mit seiner Musterung zum Militärdienst in der Kriegsendphase 1918 (Raum2) wurde Brecht eingezogen und musste als Sanitätssoldat in einem Reservelazarett Frontdienst leisten. Die erschütternden Erfahrungen aus dieser Zeit verarbeitete Brecht in Stücken wie „die Legende vom Toten Soldaten“ oder „Trommeln in der Nacht“. 1924 siedelte Brecht nach Berlin um und begann fortan erste Konzeptionen des „epischen Theaters“ auszuarbeiten. Das wohl bedeutendste Werk dieser Zeit, die „Dreigroschenoper“, wurde 1928 uraufgeführt. Ihr triumphaler Erfolg lässt Brecht als Schriftsteller berühmt werden. Werk und Impressionen dieser Episode werden in Raum 3 gezeigt. Der kurzen Phase freischaffenden Wirkens während der Weimarer Zeit folgte, durch die nationalsozialistische Machtergreifung und Brechts regimekritischer Haltung 1933 bedingt, eine Vielzahl an Exilaufenthalten. Allein zwischen 1933 und 1939, dem Beginn des zweiten Weltkrieges, seinem Ende 1945 und den aufkeimenden Ost-West Gegensätzen, folgten bis 1949 nahezu 10 Exilaufenthalte, unter anderem in Österreich, Frankreich, Schweden, Finnland, Moskau und Amerika, die im wesentlichen als Flucht vor der nationalsozialistischen Eroberungswelle zu verstehen sind. Während dieser kritischen Lebensphase entstehen Brechts berühmteste Werke, u.a. „Das Leben des Galilei“ (1938) und „Mutter Courage und ihre Kinder“. Nach seiner Rückkehr nach Berlin im Oktober 1848 wirkte Brecht entscheidend an der Gründung des Berliner Ensembles mit und leitete bis zuletzt eine eigene Schauspielgruppe. Am 14. August 1956 starb Brecht in Berlin an den Folgen eines Herzinfarktes. Mit nicht einmal 60 Jahren fand sein ereignisreiches Leben im neu gegründeten sozialistischen Staat der DDR ein jähes Ende. Was bleibt, ist die bis heute ungetrübte Faszination von Klarheit und bedrückender Realität seiner Werke. Brechts unvergleichlicher Verdienst ist es, die Grenzen der alten aristotelischen Form des Theaters gebrochen zu haben. Indem er seine Zuschauer zum Betrachter werden ließ, ihnen Entscheidungen abverlangte und sie zur Erkenntnis zwang, wurden seine Lehrstücke zum beispiellosen Zeugnis ihrer Zeit und, dank des Brechthauses Augsburg, auch für die Ewigkeit konserviert und für uns Schüler zugänglich gemacht.
Verena Lang 12 WF
Die Fachreferentin und Autorin Verena Lang ist die dritte von links.
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