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| Aktuelles |
2010 Besuch der Süddeutschen Zeitung
Die Mutter aller Zeitungen
Schüler der FOS – Friedberg zu Gast in der Schaltzentrale der Süddeutschen Zeitung.
Ein Bericht von Thomas Müller, W12E
Die Süddeutsche Zeitung ist Deutschlands unangefochtene Qualitätszeitung Nr. 1
und informiert täglich weltweit mehr als eine Million Leser, mit qualitativ hochwertigen
Artikeln über die aktuellen Ereignisse unserer Welt und liefert dazu das nötige Hintergrundwissen
um die dazu gehörigen Zusammenhänge zu verstehen. Eine Zeitung
dieser Qualität und Größenordnung, Tag für Tag auf den Markt und an den Leser zu
bringen, ist mit einem enormen Aufwand verbunden.
Und wir hatten die Gelegenheit hinter die Kulissen zu blicken.
Wir, das waren die Klassen W12D, W12B und eine Handvoll interessierter Schülerinnen
und Schüler aus der W12E, statteten der Süddeutschen Zeitung, begleitet von
Frau Balling, Frau Wintermantel und Herrn Dr. Sonneck, am 16. März 2010 im
Druckzentrum der SZ in München-Steinhausen einen Besuch ab.
Die Anreise per Zug und U-Bahn verlief problemlos und wir durften feststellen, dass
die SZ unter den Fahrgästen die erste Wahl ist, um die Fahrzeit zu verkürzen – auch
für die, die gar keine Zeitung besitzen ;-) In München-Steinhausen angekommen,
stiegen wir aus und machten uns zu Fuß auf den Weg in die Druckerei der SZ, welche
in einem imposanten Hochhaus mit einer Größe von 28 Stockwerken residiert.
Im Foyer wurden wir von den Wachleuten empfangen und unseren beiden sympathischen
Gastgebern übergeben, welche uns in einen originell gestalteten Vorführungsraum,
in der Form eines „Schwimmbeckens“, Platz nehmen ließen. Zum Auftakt stellten
sich die beiden Mitarbeiter kurz vor und führten uns im Schnelldurchgang durch
die Geschichte des Druckes, welche einst bei Gutenberg begann und vor allem in
den letzten beiden Jahrzehnten sich durch das Licht- und spätere Offset-Druck-
Verfahren rasant entwickelte. Im Anschluss wurde ein zehnminütiger Film gezeigt, in
dem ein ganz „normaler“ Arbeitstag der Süddeutschen Zeitung, den Aufwand zeigt
der betrieben wird, damit wir beim morgendlichen Kaffee die brandneuen Nachrichten
aus aller Welt erfahren. Die Artikel entstammen den Federn von mehreren hundert
Redakteuren, einer noch größeren Vielzahl an freien Mitarbeitern und Korrespondenten
im Ausland. Die Auslandskorrespondenten werden in der Regel alle sieben
Jahre in andere Länder versetzt und müssen die Landessprache des jeweiligen
Landes erlernen und überall Kontakte knüpfen um ein vielseitiges Informationsnetz
zu spannen. Die Korrespondenten sind hohen Ansprüchen ausgesetzt, denn die Redaktion
der SZ gibt ihnen klare Vorgaben, so kann beispielsweise ein Artikel über
eine Sitzung des amerikanischen Kongresses 350 Zeilen enthalten müssen und zu
einem bestimmten Zeitpunkt, ja zu einer bestimmten Uhrzeit vorliegen müssen – keine
leichte Aufgabe.
Die erste Ausgabe der SZ, die als erste deutsche Zeitung von der amerikanischen
Besatzungsregierung am 6. Oktober 1945 eine Lizenz erhielt, wurde mit Druckplatten
angefertigt, auf denen zweölf Jahre zuvor Adolf Hitlers „Mein Kampf“ gedruckt worden
war. Ein amüsante Randbemerkung als Treppenwitz der Geschichte: Die früher
eher linksliberale SZ, erstmals gedruckt auf den gleichen Platten wie Hitlers Pamphlet.
Ein symbolisches Bild für die neu gewonnene Presse- und Meinungsfreiheit nach
den braunen, düsteren Jahren.
Der Siegeszug der SZ hält bis heute an und wird durch eine Leserbandbreite von
1,16 Millionen Leser, bei einer täglichen Auflage von knapp 440.000 Exemplaren
(werktags) und mehr als 650.000 Exemplaren (Wochenendausgabe) begünstigt.
Die Münchner Redaktion ist in verschiedene Ressorts gegliedert, welche alle relevanten
Themenbereiche w,e Politik, Wirtschaft oder Sport abdecken und einem leitenden
Redakteur unterstellt sind. Die Ressortleiter und Chefredakteure beginnen
ihre tägliche Arbeit morgens in einer Konferenz, in welcher die Themen des Tages
und das Konzept der neuen Ausgabe besprochen werden. Zugeschaltet sind die
Chefredakteure aus der Berliner Redaktion, welche die aktuellsten Erkenntnisse und
Bewegungen aus der deutschen Politik übermitteln. Im Anschluss nach der Besprechung,
beginnt die eigentliche Arbeit der Redakteure, das Verfassen von Artikeln.
Damit die SZ auch weiterhin erfolgreich bleibt, treffen sich am frühen Abend zu einer
Abschlusskonferenz die verschiedenen Ressortleiter und diskutieren über jede einzelne
Seite der neuen Ausgabe und nehmen nochmals Korrekturen vor, bevor diese
für den Druck freigegeben wird. Liegt die Freigabe vor, beginnt der Druck.
Der Film endete und alle Fragen blieben, erwartungsgemäß, mit der Vorführung beantwortet.
Unsere Gastgeber erklärten uns, bevor wir zum Haupt-Event – der Besichtigung der
Druck-Anlage kamen, anhand einer Werbeanzeige wie der Farbdruck zustande
kommt. Sämtliche Farben, die wir gedruckt sehen, sind aus den vier Grundfarben
schwarz, rot (Magenta), blau und gelb zusammengesetzt.
Unsere erste Anlaufstation war das Papierlager, in dem sich meterhoch, jeweils 1,6
Tonnen schwer, knapp 600 Papierrollen stapelten. Eine Rolle Papier kostet die SZ
1000 EUR, wobei jede Ausgabe an die 200 Rollen für sich beansprucht, so belaufen
sich die Papierkosten allein schon für eine Ausgabe auf 200.000 EUR. Da aber noch
nicht die Ausgaben für die Maschinen- und Druckkosten, sowie die Bezahlung der
Mitarbeiter und die Honorare für die freiberuflichen Journalisten mitgerechnet sind,
stellt man sich zu Recht die Frage, wie eine Tageszeitung überhaupt die Kosten
decken kann beziehungsweise wie sich mit ihr sogar Gewinn erwirtschaften lässt.
Es sind die Werbeeinnahmen, die die Zeitung finanzierbar machen. Wären keine Anzeigen
geschaltet, müsste ein Exemplar der SZ um die acht Euro kosten.
Die nächste Station waren die Drucktürme der 120 Millionen Euro teuren Offset-Rotationsdruck-
Anlage, in dem uns gezeigt wurde, in welcher atemberaubenden Geschwindigkeit
eine Tageszeitung das Licht der Welt erblickt.
In einer Stunde können bis zu 100.000 Exemplare gedruckt werden, eine enorme
Kapazität für die 440.000 auflagenstarke SZ.
Rotationsdruck für Einsteiger:
Die Papierrolle wird durch eine Hebeeinrichtung in einen Einzugsmechanismus eingefädelt
und an die vorangegangene Rolle angeklebt und bis zu einer Geschwindigkeit
von 45 Stundenkilometern beschleunigt. Das eingezogene Papier, wird in eine
der Druckstationen eingefädelt und durchläuft hintereinander verschiedene Druckwerke,
wo es gedruckt und gefalzt wird. Das fertige Exemplar wird durch ein Laufband
weiter transportiert und dann gescannt. Genügt es nicht den Ansprüchen, wird
es aussortiert, diesen Vorgang beziehungsweise Zustand nennt man Makulatur, diese
kann unter anderem durch fehlende Bedruckung (Weißmakulatur) oder durch einen
Fehler beim Übergang zur neuen Rolle (Anklebemakulatur) hervorgerufen werden.
Die Zeitungen, welche die Auslese überstanden haben, werden dann zwischengelagert,
verpackt und verschickt. Priorität haben hierbei die Deutschland-Ausgaben,
welche in verschiedene Regionen Deutschlands gebracht werden, damit ein
rechtzeitiger Vertrieb deutschlandweit möglich ist. Danach folgen die bayerischen
Regionalausgaben; Vorteil des modernen Druckverfahrens ist, dass man die letzte
Ausgabe der Zeitung nach Redaktionsschluss weiter bearbeiten und aktualisieren
kann. Erst ab 23:00 Uhr abends ist die Zeitung unabänderlich.
Auch in der Druckplattenherstellung bahnt sich eine Revolution an, bisher wurden die
Druckplatten mit dem CTP - (Computer To Plate) System hergestellt. Die Layouts der
zu druckenden Seiten werden vom PC aus, mit Hilfe von Beleuchtung, direkt auf die
Druckplatten gebrannt. Die Innovation der neuen CTP (Computer To Press) – Technik
liegt darin dass die Entwicklung der Druckplatte digital erfolgt und die Vorgabe direkt
auf den Druckzylinder erfolgt und somit keine Platten mehr ausgetauscht werden
müssen, dadurch wird das Druckverfahren nochmals verschnellert.
Nach der Besichtigung des Endlagers kehrten wir in den Vorführungsraum zurück,
um die letzten verbliebenen Fragen zu stellen. Interessant war hierbei der Ausblick in
die Zukunft, ob die elektronischen Medien, wie das „E-Paper“ der konventionellen
Print-Ausgabe den Rang ablaufen wird. Der SZ-Mitarbeiter konnte dieser Prognose
nicht zustimmen und erklärte uns, dass, vor allem die schlimmen Ereignissen wie
beispielsweise die des 11. Septembers 2001, die Auflage in rekordverdächtige Höhen
gestiegen war, woraus sich erkennen lässt, dass des Internets eine gedruckte
Zeitung gekauft wird, da diese etwas „Handfestes“ sei und der Leser mehr Vertrauen
dazu habe.
Mit der Ausgabe von „morgen“ und einer Neuauflage der allerersten Ausgabe der
Süddeutschen Zeitung wurden wir verabschiedet und konnten uns abschließend in
der Münchner Innenstadt noch zwei Stunden einen netten Abend machen.
Später im Zug auf der Rückfahrt saßen zwei Herren mittleren Alters auf der Sitzgruppe
neben mir und lasen die SZ, ich zückte meine Zeitung von morgen und blätterte
in dieser. Denn wenn ich heute eines gelernt, dann war es der „Lieblingsspruch“
des Chefredakteurs: „Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern“.

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