Und hier das Interview in schriftlicher Form:
Ich bin ebenfalls Studentin an der Pariser Universität und außerdem gehöre ich zu den Herausgebern beziehungsweise den Journalisten der hiesigen Uni - Zeitung, welche monatlich erscheint! Ein Projekt eben dieser Zeitung ist es einzelne Studenten - bevorzugt Ausländische - vorzustellen. Dies geschieht zumeist in Form eines Interviews. Michael habe ich deshalb gewählt, weil er zum einen Amerikaner ist - das allein macht ihn schon für viele Leser interessant - und zum anderen deshalb, weil hier (auf unserer Uni!) viel über ihn geredet wird. Allerdings nicht über seine absoluten Bestleistungen in so ziemlichen jedem Kurs, nein es wird über seine Vergangenheit spekuliert, warum er von N. Y. weg ging und seine schweigsame Art. Es kursieren die spektakulärsten Geschichten. Ich habe die Ehre Michael zu kennen und möchte ihm hiermit die Chance geben offen und ehrlich zu sein, um Irrtümer aufzudecken und seine wahre Geschichte ans Tageslicht zu rücken.

Start des Interviews:
Ich: So erst mal hallo Michael und vielen Dank, dass du dich bereit erklärt hast an diesem Interview teilzunehmen! Michael bist du hier glücklich?

Michael: Ja, das könnte man so sagen, zumindest gefällt es mir hier in Paris besser als in New York.

Ich: Warst du in Amerika nicht glücklich, bis auf die üblichen Beschwerlichkeiten welche von New York bekannt sind?

Michael: Man sollte meinen ich sei glücklich gewesen, schließlich wohnte ich in einem doch sehr wohlhabenden Stadtteil New Yorks und nicht in den Bronx! Aber nein ich war in den letzten Jahren extrem unzufrieden mit meinem Leben, ich wusste lange Zeit gar nicht was genau der Grund dafür war, der Ausschlag dagegen war mir schon immer klar! Letztendlich wollte ich der Trostlosigkeit, die mich umgab ein Ende setzen, indem ich etwas Gefährliches, Illegales machte. Denn irgendwas musste sich ändern! Ich wusste allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht was, also begann ich damit Drogen zu verkaufen!
So jetzt ist es raus! (grinst )

Ich: Wo fing das an und wann?

Michael: (überlegt lange, wirkt sehr nachdenklich)

Ich: Kannst du dich nicht mehr erinnern?

Michael: (wirkt verlegen) Doch sicher, nachdem ich die Schule beendet hatte, zuerst bei mir in der Gegend und dann noch ein paar Stadtteile weiter!

Ich: Was hat dich irritiert? Was hat dich bloß so ruiniert?

Michael: Ha, ich wusste gar nicht, dass du mich schon so gut kennst! (grinst wieder, wirkt danach aber sofort wieder sehr nachdenklich) Eigentlich bin ich nicht dafür die Schuld bei jemandem anderen als bei sich selbst zu suchen, aber ich komme einfach nicht drum herummeinen Vater zumindest teilweise verantwortlich zu machen. Nach dem viel zu frühen Tod meiner Mutter ...( stockt, wirkt dann sehr aufgewühlt) hat mein Vater sich einen Scheiß um mich gekümmert. Verdammt ich war doch noch ein Kind! Er aber hat sich verkrochen, hat monatelang so gut wie kein Wort mit mir gesprochen, er hat sich einen Dreck um mich gekümmert! Mit dem Umzug in eine andere Wohnung wollte er die Erinnerungen an meine Mutter auslöschen, funktioniert hat das allerdings nur teilweise. (wirkt wieder gefasster) Na, jedenfalls hat das wohl einen Knacks bei mir hinterlassen.

Ich: Verstehe, aber konntest du denn nicht anders rebellieren?

Michael: Die Drogendeals waren so einfach, du bestellst, packst ab und verkaufst. Kein großer Akt. Zeitaufwändig -ja, aber Zeit wollte ich ja gerade rumschlagen!

Ich: Aber verdammt, du bist doch nicht blöde, du weißt doch genau was Drogen alles bewirken können! Gott bist du denn nicht privilegiert deinen Verstand einzuschalten ...!

Michael: (nickt zustimmend) Ja , ja ich weiß schon was du meinst! Heute sehe ich das ja genauso, aber damals war mir das eigentlich total egal. Ich meine, sicherlich hatte ich das ein oder andere mal ein schlechtes Gewissen. Dies ließ aber nach dem Deal schnell wieder nach!

Ich: Was ist dann passiert? Warum hast du dann doch aufgehört?

Michael: (sein Gesicht verzerrt sich, er wirkt jetzt noch blasser als sonst ) Es waren nur wenige Minuten die alles verändern sollten. Dieser jemand, der das Leben einiger Bekannter von mir auf dem Gewissen hat, war zu diesem Zeitpunkt nicht einmal high - er war einfach nur absolut durchgeknallt, sadistisch, pervers! Nein, eigentlich weiß ich nicht einmal was er war, ich kannte ihn nicht. Und ich kann mir nichts, absolut gar nicht vorstellen was ihn zu dieser Tat veranlasst haben könnte! Jedenfalls war danach nichts mehr wie zuvor, aber ich wusste was ich zu tun hatte und zwar so schnell wie möglich von New York, dieser brutalen, kaltblütigen Stadt zu verschwinden! Ich werde nie, nie wieder dorthin zurückkehren.

Ich: Ich danke dir für deine Offenheit!